Konzept

Wir gestalten eine Schule, in der sich Schüler, Eltern und Lehrer wohlfühlen. Gern zur Schule gehen und sich eigene Ziele setzen, ist unser Herzensanliegen. Bei uns denkt keiner an schlechte Noten, Nachsitzen, Leistungsdruck oder Mobbing. Probleme von Kindern & Jugendlichen haben vor fachlichen Themen Vorrang. Erst, wenn du weißt, dass du Gehör findest, kannst du dich auch auf Rechnen, Schreiben, Lesen konzentrieren. Und plötzlich entdeckt jeder, wie vielfältig seine Interessen sind. Bei uns ist die Zeit, diesen persönlichen Interessen nachzugehen.

Unsere Schule wird sich am sächsische Lehrplan orientieren. Dieser hat unter anderem die folgenden Ziele (siehe S. VII-IX):

Bildungs- und Erziehungsauftrag

  • Vermittlung allgemeiner und berufsvorbereitender Bildung
  • Schaffen von Voraussetzungen für berufliche Qualifizierung
  • Ermöglichen eines flexiblen Rahmens für individuelle Leistungsförderung und die spezifische Interessen- und Neigungsentwicklung unterstützen

Der sächsische Lehrplan möchte damit die “Grundlagen für lebenslanges Lernen” (S. VII) schaffen, mit Unterstützung von “verlässlichen Bezugspersonen” (S. VII).

Bereich Bildungs- und Erziehungsziel

  • Schüler sollen die Fähigkeit zur situationsangemessenen, partnerbezogenen Kommunikation erwerben und zunehmend in der Lage sein, sich individuelle Ziele zu setzen und das eigene Lernen selbstständig und in Zusammenarbeit mit anderen zu organisieren und zu kontrollieren.
  • Sie sollen lernen sich wesentliche Bereiche der Gesellschaft und Kultur zu erschließen und sich im sozialen Miteinander Regeln und Normen aneignen, deren Sinnhaftigkeit erkennen und deren Einhaltung anstreben „Die Schüler entwickeln eigene Wertvorstellungen auf der Grundlage der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, indem sie Werte im schulischen Alltag erleben, kritisch reflektieren und diskutieren.“ (S. VIII)
  • „In der Auseinandersetzung mit Personen und Problemen prägen die Schüler ihre Sensibilität, Intelligenz und Kreativität aus. Sie werden sich ihrer individuellen Stärken und Schwächen bewusst und lernen damit umzugehen.” (S. VIII)
  • “Sie lernen dabei verlässlich zu handeln, Verantwortung zu übernehmen, Kritik zu üben und konstruktiv mit Kritik umzugehen.“ (S. VIII)

Zum Thema Umsetzung gibt der sächsische Lehrplan u.a. folgende Angaben:

  • Die Umsetzung soll konkret und praxisbezogen erfolgen, wobei die Verbindung von Kognition und Emotion berücksichtigt werden soll.
  • Schüler*innen sind in die Unterrichtsplanung und -gestaltung einzubeziehen.
  • Es sollen differenzierte Lernangebote gegeben werden mit individuellen Lernzeiten.
  • Den Bewegungsaktivitäten der Schüler soll entsprechender Raum geboten werden.
  • Über den Unterricht hinaus sollen vielfältige Angebote geschaffen werden, wobei die Zusammenarbeit mit Unternehmen und Handwerksbetrieben der Region ermöglicht werden soll.
  • Öffnung der Schule in die Region
  • Toleranz, Transparenz, Verlässlichkeit sollen handlungsleitende Prinzipien sein.
  • Regeln und Normen des Verhaltens in der Schule werden gemeinschaftlich erarbeitet.
  • authentische Bezugspersonen

Sächsisches Staatsministerium für Kultur 2004/2009 | Oberschullehrplan

Schauen wir uns die heutigen Schulen an, stellt sich häufig die Frage, wie diese Forderungen eingehalten werden können, wenn die zumeist engen, überfüllten Klassenzimmer mit fachlichen Inhalten minutiös von 8 – 15 Uhr durchgeplant sind?

Wo bleibt der Lehrperson Zeit, Bezug zu ihren knapp 30 Schüler*innen pro Klasse herzustellen?

Wie können dort Lernsituationen entstehen, die Sozial- und Selbstkompetenz fördern, Bewegungsaktivitäten der Schüler*innen Raum bieten, individuelle Lernzeiten ermöglichen usw.?

Ein erster Schritt ist eine Verschiebung des Fokus von fachlichen Zielen hin auf die allgemeinen Bildungsziele. Ein zweiter Schritt ist Vertrauen in die Heranwachsenden und Vertrauen in neue Herangehensweisen an die Institution „Schule“, so wie es der LEMO e.V. aufzeigt – und viele andere tolle engagierte Bildungseinrichtungen.

Ganztagskonzept

Die Schule soll auch nachmittags pädagogische Angebote für die Lernenden vorhalten. Der Schule wird deshalb ein Schulhort angegliedert. Sowohl Lehrkräfte als auch die pädagogischen Fachkräfte der Ganztagsbetreuung begleiten die Schüler*innen von morgens an bis in den Nachmittag. Die pädagogischen Fachkräfte der Ganztagsbetreuung übernehmen vorwiegend sozialpädagogische und erzieherische Aufgaben, sowie Aufgaben, die sich auf den sozialen Lebensraum beziehen. Bei diesen Aufgaben können sie jederzeit Unterstützung durch die Lernenden erhalten. Die Leipziger Modellschule ist eine Stadtteilschule und Angebotsschule. Sie nimmt Schüler*innen aus ganz Leipzig nach einem vorgegebenen Verteilungsschlüssel auf, Schüler*innen aus dem Grundschulbezirk und aus Leipzig Grünau haben Vorrang. In der Leipziger Modellschule werden sich, entsprechend der baulichen Voraussetzungen, nach und nach auch Lernende mit besonderen Bedarfen bilden können. Es ist das Ziel der Leipziger Modellschule, mit der Schulgründung und der räumlich-architektonischen Gestaltung des Schulbaus gute Rahmenbedingungen für eine inklusive, sozialraumorientierte Schule zu schaffen.

Gemeinsames Lernen – Qualifikationen und Abschlüsse

Die Leipziger Modellschule in Grünau-Mitte ist in erster Linie ein Lebens- und Bildungsraum, in dem sich jeder Lernende entsprechend seiner Interessen und individuellen Voraussetzungen bilden kann und dabei optimal gefördert und begleitet wird. Als freie anerkannte oder genehmigte Ersatzschule orientiert sich das Leipziger Modell am Sächsischen Lehrplan. Der Unterricht besteht in einer praktisch ausgerichteten Ausbildung, die auf alle in Sachsen möglichen Schulabschlüsse vorbereitet und diese nach Möglichkeit auch selbst anbietet. Ansonsten werden schulexterne Abschlüsse durch Kooperationen mit anderen Bildungseinrichtungen ermöglicht. Eine Werkstufe, die mit einem Berufsabschluss endet, streben wir als Zukunftsvision an. Im Sinne der Inklusion werden Tempo und Maß der Wissensaneignung immer vom Lernenden selbst bestimmt. Dies ist die ethische Grundlage für methodische Diversität, für klassen- und fachübergreifende Lernformen sowie im Rahmen der sächsischen Schulordnung für die Loslösung qualitativer Abschlüsse von einer vorgegebenen Anzahl an Schuljahren.

Soziokulturelle Bildung

Soziokulturelle Bildung erzeugt ein Verständnis von Gesellschaft, eine Wertschätzung von Kultur und Ästhetik und lässt die Lernenden Selbstwirksamkeit und Gestaltungskraft erfahren. Sie ist geprägt von einer positiven, wertschätzenden Haltung jedem Einzelnen gegenüber. Die bewährten transgenerativen und sparten-übergreifenden, partizipativen Lern- und Aktivierungsmethoden aus der soziokulturellen Bildung fließen in das Angebotsspektrum der Schule ein (teilgebundener Ganztag).

Optimismus, Freude, Bewegung, Gesundheit

Sie sind wichtig für die Positivität, Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und das Selbstwertgefühl als Grundlage einer guten Entwicklung und erfolgreicher Lernprozesse. Irritation und Herausforderung steht dem nicht im Wege, wenn es im Rahmen von tragfähigen, wertschätzenden Beziehungen geschieht. Diese Ziele werden ganz wesentlich durch die Möglichkeit zu selbstverantwortlichem, interessegeleitetem Lernen, durch die Teilhabe an sinngebenden Projekten und kreativen und soziokulturellen Tätigkeiten befördert. Hinzu kommt die Nutzung von achtsamkeitsbasierten Elementen im Alltag und vielfältige Bewegungsmöglichkeiten auch während formeller Lernphasen („bewegtes Lernen“). Inhaltlich spiegelt sich dieser Fokus z.B. in Angeboten zu gesunder Ernährung (Bürgerküche, Café), Bewegung und Zeitmanagement.

Verbundenheit mit Welt und Umwelt: Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Globale Kompetenz

Will man Individuen nicht nur an die Welt von heute anpassen, sondern die Welt verändern und
gestalten, können Schlüsselkompetenzen nicht losgelöst von gesellschaftlichen Zielvorstellungen bestimmt werden: Welche Art von Gesellschaft, Entwicklung und Zukunft streben wir an? Was zeichnet ein erfolgreiches Leben aus, was macht die Qualität einer Gesellschaft aus? Für die Beantwortung und Mitgestaltung dieser Fragen bedarf es eines reflektierten Verständnisses von Nachhaltigkeit und von globalen Zusammenhängen auf ökonomischer, ökologischer, politischer und sozial-kultureller Ebene. Das projektbasierte Lernen an der Leipziger Modellschule bietet immer wieder die Möglichkeit, nachhaltige und globale Themen in den Fokus zu rücken. Ganz wesentlich sind auch die Ermutigung und Vorbereitung auf internationalen Austausch.

Gemeinschaft leben, Einbindung in die Gesellschaft, Sozialraumorientierung

Diese Grundsätze fördern – bezogen auf den engen Sozialraum in der Einrichtung – die soziale
Eingebundenheit, Geborgenheit, Freundschaft, Verantwortungsbewusstsein und Mitgestaltung und bezogen auf den weiteren Sozialraum (Park, Quartier, Stadt) den Gemeinsinn, die berufliche Orientierung, ein konkretes Verständnis für Gesellschaft, Partizipation und Mitverantwortung sowie die Demokratiebildung. Hier kommt besonders stark die Einbettung des „Lernen- durch- Engagement“- Ansatzes zum Tragen: die Lernenden nehmen aktiv nach ihren Interessen und Fähigkeiten an der Gestaltung ihrer engeren und weiteren Sozialräume teil. Dafür schaffen wir ein lebendiges Netzwerk innerhalb des Kultur- und Bildungsparks, legen Wert auf die sozialräumliche Einbindung, das Lernen an konkreten Projekten außerhalb der Schule und die starke Nutzung von Unterstützungssystemen (Experteneinbindung). Starten möchten wir mit mindestens einem Ausflugstag im Monat zu außerschulischen Lernorten. Diese Ausflüge sind in Projekten organisiert, d.h. zu Beginn des Schuljahres werden Projekte von
Lernbegleitern vorgestellt und Ideen mit den Schülern gesammelt. Dabei stehen Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen und Problemen im Mittelpunkt. Die Ergebnisse der Projekte dürfen gern in die Welt um den Kultur- und Bildungspark herum wieder hineinwirken (z.B. Zeitungsartikel, Diskussionsabende usw.)

Schule als Lern- und Lebensraum für Alle

Jegliches Angebot soll barrierefrei für Lernende unterschiedlicher körperlicher, geistiger Voraussetzungen, Alters und Geschlechts zugänglich sein. Die Heterogenität von Fähigkeiten und Anschauungen soll positiv in die Lernprozesse einfließen. Dies ist Ausgangspunkt und wesentlicher Grundsatz unseres Konzeptes und fördert das soziale Miteinander, die Chancengleichheit, die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenz und der Selbstregulationsfähigkeit. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen wir auf gemeinsames, aber individualisiertes, inklusives Lernen. Wichtig sind dafür authentische Bezugspersonen, die Einbindung in den generationsübergreifenden Kultur- und Bildungspark und das Selbstverständnis der Schule als Familienzentrum: Die Familie als primärer Sozialisationsraum ist wichtiger Partner in allen Bildungsprozessen. Es gibt Kerngruppen von 15 Lernenden unterschiedlichen Alters, die den Tag gemeinsam beginnen und das soziale Bezugssystem bilden. Jeder Lernende hat einen persönlichen Lernbegleiter, mit dem er nach Bedarf seine Bildungsprozesse plant und reflektiert. Je fünf Kerngruppen bilden ein Lernhaus.

Kinderrechtsbasierte und menschenrechtsbasierte Ausgestaltung

Wir achten die Rechte der Lernenden auf Selbstbestimmung, Unterstützung und Schutz. Dies führt zu aktiver Partizipation und Mitverantwortung, Demokratiebildung, Förderung von Selbstwirksamkeit und Sicherheitsgefühl. Umgesetzt wird dieses Ziel durch den Aufbau und die dynamische Weiterentwicklung demokratischer Strukturen, durch z.B. die Beteiligung an der Raumgestaltung, der Auswahl der Lerninhalte, des Lerntempos oder der spartenübergreifenden Aktivitäten. Jeder Lernende bekommt durch seinen Lernbegleiter und das erweiterte Unterstützungsnetzwerk so viel Unterstützung und Schutz, wie nötig ist, damit er oder sie den Bildungsprozess mehr und mehr eigenverantwortlich gestalten kann. Bei den demokratischen Strukturen werden bewusst verschieden Verfahren vorgeschlagen und ausprobiert, um den Beteiligten hier neue Erfahrungsräume zu öffnen. Mehrheitsentscheidung entspricht zum Beispiel nicht immer den gemeinsamen Werten, da sie die Konzentration auf die eigene Meinung fordert, die es gegen andere zu behaupten gilt. Für wichtige Entscheidungen streben
wir daher den Konsens an, der eine integrierende Synthese der verschiedenen Positionen hervorbringt. Ziel ist es, dass jeder mit dem Ergebnis leben und es voll unterstützen kann. Das muss nicht bedeuten, dass die eigene Meinung 100%-ig darin vertreten ist. Dies erfordert viel von jedem Einzelnen: Einander zuhören, das Wesentliche verstehen wollen und können und auch ein Stück von einer persönlichen Meinung abrücken können.

Selbstgesteuertes, phänomenbasiertes Lernen

Anstatt großer Mengen an Faktenwissen erwerben die Lernenden Lernstrategien, Kreativität, kritisches Denken, Problemlösefähigkeit, Urteils- und Entscheidungsfähigkeit. Das Verständnis der Welt wird anhand konkreter Phänomene und Themen erarbeitet, die die Lernenden einbringen oder für die sie begeistert werden. Dafür erarbeiten Lernende ihre Lernziele mit den Lernbegleitern (und ggf. den Eltern) selbst. Gemeinsam überlegen sie, wie sie – ihren Interessen folgend – diese Lernziele am besten erreichen; welche Methoden, Hilfen oder Erfahrungen dafür geeignet sind. Lernen wird als Prozess begriffen, nicht als Ergebnis. Leistungsdruck wird vermieden und Leistungswille durch intrinsische Motivation und Identifikation mit dem Gegenstand und der Gemeinschaft gefördert. Wichtig hierfür ist die sehr gute pädagogische Begleitung durch die Lernbegleiter, die nah an den Themen der Lernenden sind, deren Fähigkeiten und Interessen kennen. Ziel ist durch umfassendere Projekte und Zielstellungen kontinuierlicher zu arbeiten. Damit ist eine intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen und Neigungen in größerem und altersangemessenem Umfang möglich. Das Schuljahr ist in Trimester eingeteilt, so dass jedes Modul ca. 12 Wochen besucht wird und danach ein Wechsel stattfinden kann.

Potentialorientierung, Feedback und Evaluation

Dies ermöglicht die Förderung von Stärken, die Ausbildung des Selbstbewusstseins und eines
positiven akademischen Selbstbilds („Ich kann was!“). Es geht für die Lernenden nicht darum, sich an absoluten Standards zu messen, sondern ihre individuelle Fähigkeiten und Interessen zu entwickeln. Grundlage hierfür ist die pädagogische Haltung, wie sie u.a. im Early Excellence-Ansatz vertreten wird: Jedes Kind ist exzellent! Fehler sind wichtig für den Lernprozess. Wir wollen eine fehlerfreundliche Kultur, die das Experimentieren, Suchen und Scheitern begrüßt. Wichtig dafür ist die ressourcenorientierte Begleitung der Lernenden durch die Lernbegleiter. Es gibt Kontakte auf freiwilliger Basis mit gesellschaftlichen Normvorstellungen in Lehrplänen durch konkrete Nachweise (Präsentation, Portfolio, Teilnahme an Wettbewerben, Kompetenztests o.ä). Es erfolgt eine Reflexion zur Auseinandersetzung mit Normvorstellungen zur Stärkung der Selbstbestimmungs- und Urteilsfähigkeit (Was soll ich lernen UND Was will ich lernen). Nur wenn ein Schulwechsel oder eine Prüfung bevorsteht, wird die Feststellung des Lernstandes bezogen auf die Lehrplanziele verpflichtend.